07.12.2017 / Agenda Josefstadt

Alice vom Cafe Strozzi

Der Strozigrund lebt von den Menschen und ihren Ideen! Das Projekt "Persönlichkeiten am Strozzigrund" stellt die Menschen vor!

 

Im Interview heute Alice vom Cafe Strozzi

 

1: Wann bist du das erste Mal am Strozzigrund gewesen?

 

Das war 1973. Ich habe am 1. April 1973 hier angefangen zu arbeiten. Mein damaliger Mann und ich hatten damals davor ein Lokal in Baden und wollten immer nach Wien zurück. Als wir die Besichtigung hier hatten war ich dann auch zum ersten Mal hier in dem Grätzl.

 

2: Was macht den Strozzigrund für dich besonders?

 

Damals hat es hier viele kleine Lokal gegeben und ich war der Platzhirsch da. Das Studentenheim hatte damals nur Burschen und die einzigen weiblichen Wesen hier war meine Kollegin und ich. Ha! Das war witzig. Wir waren ja alle gleich alt, alle Anfang 20.
Ein Fahrradgeschäft gab es, eine Milchfrau, eine Siederei, es gab einfach mehr kleinere Geschäfte. Man kann nicht sagen, dass es jetzt schöner oder schlimmer ist als damals, es ist einfach anders.
Wir haben die ganzen Aufs und Abs der letzten Jahrzehnte nicht mitgemacht. Das Strozzi war immer gleich. Wir haben auch nie einen Trend mitgemacht oder uns dafür stark gemacht, dass etwas Bestimmtes gerade in oder cool ist.

 

Vielleicht mache ich hier einmal eine Ordination auf. Wenn ich ein Geschäft aufmachen würde, wäre es wohl hier in die Gegend. Es kommt einem einfach so vor, als ob hier alle in der Gegend zusammenarbeiten würden. Die Leute sind total nett und es funktioniert gut hier.

 

3: Wie kam es zu deiner Geschäftsidee?

 

Über Freunde haben wir dieses Lokal 1973 hier gefunden. Dann haben wir gesagt, wenn 6 Leute drin sind kauf mas. Ich bin ja eine Wirtstochter. Also meine Eltern hatten damals ein Restaurant, die „Drei Hacken“ im 16. Bezirk.
Ich war also ein Wirtskind und jetzt bin ich halt die Kaffeesiederin (lacht). Durch die vielen männlichen Studenten damals wollte ich eine Zeit lang ja auch eine altdeutsche Bierstube draus machen, aber es wurde dann durch allerlei Begebenheiten das Café Strozzi so wie man es immer noch kennt.

 

4: Was finden deine BesucherInnen am Strozzigrund interessant?

 

Die Wohnzimmeratmosphäre. Wir sind hier das soziale Eck. Wo man Kinder, Schlüssel und Pakete abgeben kann. Wir haben viele Leute auf die wir schauen. Vom Arbeitslosen bis zum Politiker sind hier alle und jeder hat Respekt vorm Anderen.
Und ich habe etwas: Ich habe sehr liebe Mitarbeiter die auch dieses Flair mittragen. Ohne diese Mitarbeiter wäre das Strozzi nicht das, was es ist.

 

5: Wovon träumst du am Strozzigrund - gibt es etwas, dass Du hier vermisst?

 

Es wäre schön, wenn es untereinander zwischen den Geschäften mehr Kommunikation gäbe, aber das ist auch eine Holschuld. Man müsste selbst wieder mehr anfangen zu sagen, man trifft sich alle drei Monate auf einen Kaffee und sagt was man sich in der Strozzigasse so vorstellt.