09.04.2015 / 8.Josefstadt

Rückblick: smart city - shared district

Gemeinsames Nutzen und Teilen von Raum“ von Sibylla Zech (Professorin am Department für Raumplanung der TU Wien und Geschäftsführerin Stadtland) und Petra Hirschler (Department für Raumplanung der TU Wien) mit anschließender Diskussionsrunde.

Anteiliges oder gemeinsames Nutzen von gemeinschaftlichem oder privatem Besitz ist an sich nichts Neues. Sparsamkeit, Selbstorganisation und Wohltätigkeit aufgrund knapper Mittel, Armutsgefährdung und Not begründeten Formen des Tauschen und Teilens, die beispielsweise über Allmendgemeinschaften, Maschinenringe, Gemeinschaftsunterkünfte, Untermiete, genossenschaftlichen Siedlungsbau oder Wohlfahrtseinrichtungen organisiert wurden. Vor dem Hintergrund der im Zuge der Finanzkrise zunehmenden Privatisierung öffentlicher Räume und Infrastrukturen (Schulen, Wasserversorgung, Bahnlinien, Energieversorgung etc.) und der Perspektive einer globalen Ressourcenknappheit rücken gemeinwirtschaftliche Modelle wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

 

Sharing im oben genannten Sinn setzt voraus, dass man sich bei der Einrichtung, die das Sharing abwickelt, deklariert und deren Regeln akzeptiert. Damit unterscheidet sich Sharing vom klassischen Gemeingut (engl. commons), das für alle potenziellen Nachfrager frei und zugänglich ist und dementsprechend auch – unter Einhaltung von Regeln bzw. verbunden mit Aushandlungsprozessen – gemeinsam genutzt und geteilt wird.

 

Zumindest in Teilen der Industriegesellschaft ist nach Zeiten des scheinbar grenzenlosen Wachstums und vermeintlich unendlicher Konsumoptionen offensichtlich, dass natürliche Ressourcen und Raum endlich sind und die soziale Schere weiter auseinandergeht. Um mit Kreativität und Eigeninitiative gesellschaftliche und ökologische Probleme zu lösen, entstanden Tauschkreise, Regionalwährungen, Sozialunternehmungen (oder Social Entrepreneurs), Gemeinschaftsgärten, Autoteilen, Mitfahrgemeinschaften, gemeinschaftliche Kleinkraftwerke, (Alten-)Wohngemeinschaften, Bürogemeinschaften, Baugruppen, Mehrfach- und Zwischennutzungen von öffentlichen und privaten Räumen. Dennoch haben Konzepte des Tauschens und Teilens nur zögerlich Fuß gefasst. Ihre Aktivitäten waren wohl zu vereinzelt, zu verstreut, zu klein, zu wenig vernetzt, zu kompliziert und zu unsicher, um mehr als ein Minderheitenprogramm von meist mittelständisch urban geprägten Bevölkerungsgruppen zu sein.

 

Shared Econcomy generell, Carsharing und das Sharing von Unterkünften und Büros, sind nicht nur populär, sondern ökonomisch interessant geworden. Carsharing ist auf dem Sprung in den privaten Bereich, wie das Projekt Sharoo (Sharoo AG, 2014), betrieben vom größten Lebensmittelhändler der Schweiz, zeigt. Auch in Österreich ist privates Carsharing (peer-to-peer, auch: p2p) via Internet weit über nachbarschaftliches „Autoteilen“ hinaus gewachsen. Seoul hat sich 2012 zur „Sharing City“ deklariert und fördert seitdem gezielt Unternehmen der sharing economy und deren start-ups, will aber insbesondere Infrastruktur durch Teilen besser und intensiver nutzen.

 

In Wien unterstützt die Lokalen Agenda Josefstadt gemeinsam mit der Bezirkspolitik die Idee eines “shared district”. Daher braucht es gerade für den Bestand und die Weiterentwicklung im Bestand besondere Konzepte und Ansätze für ressourcenschonende, den sozialen Zusammenhalt fördernde und leistbare Wohnungen, Arbeits- und Freizeitorte. Eine mögliche Handlungsoption wird im gemeinsamen Nutzen und Teilen von Räumen vermutet.

 

Die TeilnehmerInnen hatten Großteils Erfahrungen im Tauschen und Teilen: von Ideen, über Wohnungen, Autos, Steuern oder Kinderkleidung bis hin zu Büchern. Die Diskussion fokussierte auf die positiven und negativen Effekte von Sharing in den verschiedenen Bereichen.